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Veranstaltungen

Themenschwerpunkt Herbst 2018

Vom Eros der Religionen


Betender 

  

Der antike Eros ist sinnvollerweise ein Gott,
dessen Göttlichkeit die Grenzen des Menschlichen überschreitet und deshalb weder begriffen noch dargestellt werden kann.

C.G. Jung, Erinnerungen, S. 355

Der Herbstzyklus 2018 vereinigt Beiträge aus den verschiedensten Kulturbereichen und Religionen, die alle um jenen Eros kreisen, der für die Ausübung eines religiösen Lebens unentbehrlich ist. Wohl keine andere Frau hat im christlichen Kontext diesen Eros eindrücklicher ausgestrahlt als Maria Magdalena, deren Liebe zu Jesus auch dem Tod des Geliebten am Kreuz, also dem dunkelsten Aspekt des Eros, standgehalten hat. Der Frage, ob diese Liebe auch heute noch das christliche Gottesbild zu erneuern vermag, wird Laurel Howe in ihrem englischen Beitrag nachgehen. 

Ein Seminar über das Herz Chakra wird zeigen, dass hier, im vierten Chakra „a radical shift in consciousness“, wie sich Charles Zeltzer ausdrückt, ein fundamentaler Durchbruch des Bewusstseins also, stattfindet. Im Lotus des Herzens erwacht ein Eros, der nicht mehr von blossen Emotionen (Manipura Chakra) angetrieben ist; das ist jener Moment, in dem der Archetyp des Selbst blitzartig oder auch nur als zarter Lichtfunken aufleuchtet. Die damit verbundene Bewusstwerdung des höheren Menschen, des Purusha oder Lichtmenschen, ermöglicht eine neue Ausrichtung des Lebens auf das Göttliche. 

Im Beitrag von Rolf Inderbitzi geht es um einen Vergleich zwischen dem Theologen und Naturwissenschaftler Teilhard de Chardin und dem Arzt und Psychologen C.G. Jung. Obwohl beide kaum voneinander Kenntnis genommen haben, gleicht sich deren Weltbild doch in wesentlichen Punkten. Beide sehen den Sinn der Schöpfung in der fortschreitenden Bewusstwerdung des Menschen. Die treibende Kraft dieser Bewusstwerdung ist ein Eros, der bei allem Bestreben nach Wissenschaftlichkeit eine religiöse Einstellung nicht aus- sondern einschliesst.

Ganz anders ist der Weg der Derwische oder Sufis. Sie alle sind spirituelle Wanderer, ob sie ihre religiöse Suche nun als göttlich inspirierte Bettler oder in der Gemeinschaft eines Konvents lebend verfolgen. Ihr Eros richtet sich auf die Versenkung in Gottes Allgegenwart und Einheit, mit dem Ziel – als Bettler – dem Göttlichen Reichtum so nahe wie nur möglich zu sein. Andreas Isler wird uns in diese Welt der „tanzenden Derwische“ einführen.

Auch im Drama von Rabindranath Tagore „Der König der dunklen Kammer“ (1910) geht es um das dem Menschen letztlich unfassbare Göttliche. Das Mysterienspiel kreist um den Abgrund zwischen der göttlichen Grösse und der menschlichen Unzulänglichkeit. „Ich sah, er war unvergleichlich in Schönheit wie in Schrecken“, sagt die Dienerin des Königs, gerade so als wollte sie den Gott Eros oder den Gott Hiobs beschreiben. Fides Vögeli wird uns in ihrem Beitrag behutsam an das Geheimnis des dunklen Königs heranführen und sich so dem inneren Sinn des Dramas annähern.

Im Juni 2018 Andreas Schweizer
     

Die Vorlesungen sind öffentlich. Jedermann ist willkommen.
Ort: Vortragssaal, Gemeindestrasse 27, 8032 Zürich

Programmübersicht
 


Alphidus, das Schatzhaus der Weisheit betretend.
Aurora consurgens, Zentralbibliothek Zürich, Codex Rhenoviensis.

 
  

Marie-Louise von Franz hat den alchemistischen Traktat „Aurora Consurgens“ (aufsteigende Morgenröte) zunächst übersetzt, dann aber – auf Anregung von C.G. Jung – einen ausführlichen psychologischen Kommentar dazu geschrieben. Beide, Text und Kommentar sind als dritter Band von „Mysterium Coniunctionis“ erschienen. Die „Aurora Consurgens“ ist ein dem Thomas von Aquin (1225-1274) zugeschriebenes Werk. Der visionäre Text soll die letzten Worte dieses grossen mittelalterlichen Gelehrten enthalten. Marie-Louise von Franz geht davon aus, dass es die Antwort ist auf eine erschütternde seelische Erfahrung, die er kurz vor seinem Tode gemacht hat.

Zeit: jeweils 16.00 - 18.00 Uhr
Kosten: Fr. 30 pro Sitzung

Die Teilnehmerzahl ist beschränkt. Im Moment können keine neuen Teilnehmer aufgenommen werden.

Auskunft: Regine Schweizer-Vüllers per
e-mail reschweizer@bluewin.ch oder
telefonisch 044 392 05 51.

     


Mary Magdalene at the Sepulchre,
Giovanni Girolamo Savoldo, 1530

 

  

In a June, 2016 decree entitled “Apostolorum Apostola,” Pope Francis raised the July 22 liturgical memorial of St. Mary Magdalene to the level of a feast, officially lifting her status to that of the male apostles and singling her out as Apostle to the Apostles. In this latest revision of Mary’s standing, the Pope vaguely confirms that after all Mary was not a prostitute as she was labeled in the 6th century but a faithful evangelist whose love for Jesus was legitimate. 

Since the early days of Christianity Mary Magdalene has fascinated Church fathers, popes, and monks, because she was the first to see the risen Christ, because she was a woman, and especially because she had a deep relationship to Jesus in his life, his death, and his resurrection. Early Church officials minimized her role and any hint of a love relationship with Jesus, a stark contrast to the Gnostic reverence of their shared love and the deep understanding of Christ it affords her. In Medieval legend Mary’s love for Jesus was newly imagined as a spiritual yearning that brings her penitence and salvation. Pope Francis in his decree refers to one of those legends, in which the love between Mary and Jesus is described in especially ardent and poetic terms, to help revive Mary’s role as First Apostle. Her love for Jesus is at the center of every aspect of her reputation. 

Mary’s 2000-year tendency to pique the imagination of Church officials and laypeople reveals that she carries an important psychic reality that was at first pushed into the unconscious, but that might now be emerging. With the psychology of C.G. Jung we can begin to understand that Mary through her love for Jesus participates in his death and resurrection in a meaningful way. In the lecture we will survey the symbolic meaning of these historical developments. We will explore Mary’s role as an Eros factor in the renewal of the Christian god-image, her psychological meaning in the death and resurrection archetype as we experience it in our own lives, and how she may carry the role of anima for the Church. 

Laurel Howe, MA is a diplomate Jungian analyst and sandplay therapist with a private practice in Denver, Colorado, USA. She earned her analytic diploma at the Research and Training Centre in Depth Psychology According to C.G. Jung and Marie-Louise von Franz. Aside from her work with Mary Magdalene, Laurel has written about the evolving psychological meaning of pre-Biblical artifacts of the feminine from the Levant.

Entrance fee: Fr. 20, Students Fr. 15. 
Für Mitglieder und statutarische Gäste frei.

     


Anahata (Heart) Chakra

 

  

According to an ancient Tantric legend, at the moment the Buddha achieved enlightenment, he ascended through the chakras up to the highest. He then descended, visiting each of the chakras with his enlightened consciousness, down to the first. Finally Gautama moved to the fourth chakra, where he resided for the remainder of his earthly life. 

The entire chakra system is a template for the individuation process. In particular, the fourth chakra is the centerpiece of life experience. It distinguishes itself as the crucial moment of a radical shift in consciousness. What makes this so? We will examine myth, dream, and the intricate and highly developed symbolism of this fourth stage of that Hindu alchemy called Kundalini, in order to understand the moment when the archetype of the self, the divine element in human experience, first makes it appearance.

Charles T. Zeltzer, Ph.D. is a clinical psychologist and has been a certified Jungian analyst since 1992. He is currently in private practice, with offices in Ventura and Santa Monica, California. Charles was the Director of Training at the C.G. Jung Institute of Los Angeles. His lectures include alchemy, Kundalini Yoga, the Roman Catholic Mass as an alchemical process, and the role of the alchemical god Mercurius in our everyday lives. Charles has specialized in leading seminars on Jung’s alchemical works, including a 13-year, line-by-line discussion of Jung’s magnum opus, Mysterium Coniunctionis.

Entrance fee: Fr. 80 Students Fr. 50 
Payable in cash.

Registration until September 17, 2018 via e-mail to kontakt@psychologischerclub.ch

     

Pierre Teilhard de Chardin

 
  

Pierre Teilhard de Chardin (1881 – 1955) widmete sein persönliches wie sein Forscherleben dem Entwurf einer Weltschau, in welcher die Trennung von Natur- und Geisteswissenschaft überwunden werden sollte. Die Welt, das Leben und der Mensch, sie alle befinden sich auf einem stetigen Weg zur Ganzheit. In seinem theologischen Werk erweiterte er seine naturwissenschaftlichen Forschungsergebnisse im Bereich des fossilen Lebens durch den Gedanken der Evolution. In dieser sah er einen unumkehrbaren Prozess der Bewusstseinsentwicklung auf ein endgültiges Ziel hin, das er als Punkt Omega bezeichnete. Für Teilhard de Chardin widerspricht die dualistische Betrachtungsweise von Geist und Materie der Wirklichkeit, sei es im Blick auf den gesamten Kosmos oder im Blick auf den Menschen. Der Mensch gehört als Gesamterscheinung – als Aussen und Innen – der Natur an. 

Obwohl sich Carl Gustav Jung und Pierre Teilhard de Chardin im persönlichen Leben wohl nie begegnet sind und in ihren Werken nicht aufeinander Bezug nehmen, weisen ihre Forschungsergebnisse eindrückliche Gemeinsamkeiten auf. Eine behutsame tiefenpsychologische Annäherung an die Teilhard’sche Weltsicht vermag diese zu erhellen und ist Inhalt dieses Vortrags.

Für beide war die Naturwissenschaft die Grundlage ihrer Forschungen und für beide bestand der Sinn der Schöpfung in der voranschreitenden Bewusstwerdung des Menschen. Die treibende Kraft dieser Bewusstwerdung ist die Liebe, der Eros. Für beide war eine religiöse Einstellung zentral. 

Ziel des gesamten Schöpfungsprozesses ist für C.G. Jung das Selbst. Die Bewusstwerdung von Aspekten desselben und das anschliessende Ringen um Integration dieser bewusstgewordenen Anteile in die eigene Seele stellt einen aktiven und zentralen Prozess der Individuation dar. Indem wir so Schritt um Schritt durch Selbsterkenntnis Teilhabe am Selbst anstreben, arbeiten wir an unserer eigenen Vervollständigung - und letztlich, teleologisch, für das und am allumfassenden Selbst.

Pierre Teilhard de Chardin‘s Ziel ist der Punkt Omega, den er mit dem kosmischen Christus gleichsetzt, welcher Ziel- und Endpunkt der gesamten Evolution darstellt. Im Omega fallen alle Bestrebungen der Evolutionsspirale zusammen. Omega stellt das vollständig entfaltete, alles in sich schon enthaltende Selbst nach Vollendung der Zeit dar. Obwohl seit je alles in sich enthalten, dürfen und müssen die Aufgaben, Teile und Aspekte, welche zu Omega führen und dieses ausmachen, gleichermassen und gewollt auch im Aussen und Innen der Welt jedes Einzelnen mithilfe der persönlichen Freiheit gesucht, erlitten, reflektiert und bewusst „heimgebracht“ werden.

Sozusagen als Hilfe für die geistige Suchfahrt des Bewusstseinsträgers Mensch, lässt sich erkennen, dass der Weg der Bewusstwerdung auch der Materie inhärent zu sein scheint. In jedem Molekül west eine adäquate, entsprechende Form von Bewusstsein, ein „Liecht der Natur“, weshalb Jung vom Psychoiden gesprochen hat. Zu diesem Schluss kamen beide Forscher sozusagen auf reziprokem Weg: C.G. Jung erforschte die Seele und stiess auf die Materie, Teilhard de Chardin erforschte die Materie und stiess auf die Seele.

Eintritt: Fr. 20, Studenten Fr. 15.
Für Mitglieder und statutarische Gäste frei.

     


Tanzende Derwische in Pera, Kupferstich, in Johann Ulrich Wallich, Religio Turcica. Stade 1659.

 

  

Im 15. Jahrhundert beschreibt ein Dominikanermönch, Georgius de Hungaria, die damals im Osmanischen Reich nebeneinander existierenden islamischen Wege zum Heil und unterscheidet dabei vier verschiedene Gruppen. Bei einer steht die Einhaltung der göttlichen Gesetzeim Zentrum, eine andere vertraut auf göttliche Gnade, die nächste verlangt eine Anhäufung religiösen Verdienstes, eine weitere schliesslich beharrt darauf, die Erlangung des Heils lasse sich nicht auf einen einzigen Weg festlegen. Georgius benennt die Gruppen als Priester, Derwische, Sufis und Hurufis.

Ausgehend von diesen vier Arten der Heilserlangung soll, gleichfalls als eine Sicht von aussen, auf einige Wesensmerkmale der in grosser Breite und Vielfalt vorkommenden islamischen Ordenspraktiken eingegangen werden. Die Verhaltensweisen der unterschiedlichen Ordensleute mögen weit auseinandergehen, alle treten sie jedoch auf ihre Art als spirituelle Wanderer auf – ob sie nun als göttlich inspirierte Bettler den Orient durchziehen oder sich unter freiem Himmel oder in Konventen zu gemeinsamen Ritualen einer völligen Versenkung in Gottes Allgegenwart und Einheit treffen.

Auch in der Ausprägung einer vielen Orden gemeinsamen Praktik, der Ausübung des sogenannten Dhikr, eines unablässigen Gottesgedenkens, gibt es grosse Unterschiede. Die Beobachtung dieser Versenkungsübungen hat Aussenstehende, wie im Vortrag dargelegt werden soll, stets sehr beeindruckt und den Bruderschaften Bezeichnungen wie „tanzende Derwische“ und „heulende Derwische“ eingebracht.

Andreas Isler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kurator am Völkerkundemuseum der Universität in Zürich. Seine jüngsten Forschungen betreffen westliche Darstellungen der Derwischorden des 15. bis 17. Jahrhunderts. Er schreibt: „Mich interessieren Berichte und Darstellungen aus früheren Zeiten, deren Anschauungsreichtum und die kulturanthropologischen Aspekte von Sammlungen und einzelnen Gegenständen, insbesondere die Bedeutung von Bildern und Objekten für die Religionsforschung.“

Eintritt: Fr. 20, Studenten Fr. 15. 
Für Mitglieder und statutarische Gäste frei

     


Peter Birkäuser: Stein-Anima



Rabindranath Tagore

  

Das Drama des indischen Literaturnobelpreisträgers (1913) Rabindranath Tagore führt uns in eine tief in der Erde verborgene dunkle Kammer. In dieser, von keinem Licht erhellten Kammer finden die Begegnungen der wunderschönen Königin Sudarsana mit ihrem unsichtbaren Geliebten, dem „dunklen König“, statt. Wer ist dieser geheimnisvolle König, der nicht nur die Königin, sondern auch die Untertanen seines blühenden Reiches und die Fremden, die zum Frühlingsfest in sein Reich strömen, fasziniert und vor unlösbare Rätsel stellt? Sudarsana, seine Gemahlin, stösst sich verzweifelt an seiner Unsichtbarkeit, vor allem aber auch an seiner „Gleichgültigkeit und leidenschaftslosen Reglosigkeit“. Wie er sich ihr endlich zeigt, kann sie seine Schwärze und Hässlichkeit nicht ertragen - sie flieht vor ihm.

Wir werden im Vortrag versuchen, uns diesem dunklen König und seiner Bedeutung für uns anzunähern, sein Bild zu umkreisen und nach dem inneren Sinn des Dramas fragen.

Der Vortrag dauert zwei Stunden
Eintritt: Fr. 20, Studenten Fr. 15.
Für Mitglieder und statutarische Gäste frei.

Das PDF des Artikels von Heinrich Zimmer mit dem Text von „Der König der dunklen Kammer“ kann heruntergeladen werden bei:
http://menadoc.bibliothek.uni-halle.de/dmg/periodical/titleinfo/93078

     
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