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Veranstaltungen

Themenschwerpunkt Herbst 2017

Beiträge aus der eigenen Werkstatt



Maria am Webstuhl
aus dem Marienfenster, Esslingen um 1330 

  

Nachdem wir uns im ersten Halbjahr mit dem fernen Afrika befasst haben, kehren wir nun gewissermassen in die eigene Werkstatt zurück. Die Vorträge des Herbstsemesters stammen mit einer Ausnahme, dem Beitrag von Gert Sauer aus Freiburg im Br., von Clubmitgliedern. Nicht weniger als drei davon gar von Mitgliedern des Vorstandes.

Der Weg der Individuation erfordert, dass wir selber im Rahmen des uns Möglichen schöpferisch sind – gewissermassen im Dienst der Grossen Weberin. Nur allzu leicht fressen uns die Anforderungen des Alltags auf; nur allzu schnell reduziert sich das Leben darauf, das Notwendige einigermassen zu bewältigen. Das Not-Wendende aber ist mehr oder vielleicht auch weniger als solches Bewältigen des Alltäglichen; es ist der Versuch, Worte zu finden für das, was uns „im Innersten zusammenhält“, für das Unaussprechbare, nach dem wir ein Leben lang suchen; ein Versuch also, der objektiven Psyche, die uns zu dem macht, was wir im innersten Wesen sind, einen Ausdruck zu verleihen.

Juli 2017 Andreas Schweizer
     

Die Vorlesungen sind öffentlich. Jedermann ist willkommen.
Ort: Vortragssaal, Gemeindestrasse 27, 8032 Zürich

Programmübersicht
 

 

Alphidus, das Schatzhaus der Weisheit betretend 
Aurora consurgens, Zentralbibliothek Zürich, Codex Rhenoviensis 

  

Marie-Louise von Franz hat den alchemistischen Traktat „Aurora Consurgens“ (aufsteigende Morgenröte) zunächst übersetzt, dann aber – auf Anregung von C.G. Jung – einen ausführlichen psychologischen Kommentar dazu geschrieben. Beide, Text und Kommentar sind als dritter Band von „Mysterium Coniunctionis“ erschienen. Die „Aurora Consurgens“ ist ein dem Thomas von Aquin (1225-1274) zugeschriebenes Werk. Der visionäre Text soll die letzten Worte dieses grossen mittelalterlichen Gelehrten enthalten. Marie- Louise von Franz geht davon aus, dass es die Antwort ist auf eine erschütternde seelische Erfahrung, die er kurz vor seinem Tode gemacht hat.

Das sich über einen längeren Zeitraum erstreckende Leseseminar findet monatlich statt, jeweils Freitag 16.00 - 18.00 Uhr.

Kosten: Fr. 30 pro Sitzung

Die Teilnehmerzahl ist beschränkt. Im Moment können keine neuen Teilnehmer aufgenommen werden. Auskunft: Regine Schweizer-Vüllers per
e-mail reschweizer@bluewin.ch oder
telefonisch 044 392 05 51. 

     
   

Der Untertitel soll Gottfried Kellers Leben von der frühen Jugend bis zu seinem Tod umfassen, denn mit der grünen Kartoffelstaude ist eine Kindheits-erinnerung mit seinem Vater gemeint, mit den Rittern im goldenen Harnisch aber zwei Träume kurz vor seinem Ableben.

Ich versuche, den dazwischen liegenden Prozess punktuell anhand der Jungschen Psychologie etwas zu erhellen. Es gibt zwei entscheidende Erlebnisse, an denen der Dichter sein Leben lang gelitten hat. Als Keller sieben Jahre alt war, verheiratete sich seine Mutter wieder. (Der Vater starb zwei Jahre zuvor.) Für das Kind war das eine Katastrophe, denn ein fremder Mann nahm ihm nun den Platz neben ihr.

Der kleinwüchsige Mann verliebte sich mehrere Male. Doch keine der Frau-en konnte er für sich gewinnen. Entweder starben sie in früher Jugend, oder sie gaben ihm einen Korb. Gottfried Keller hat aber sein Leiden angenommen und dadurch sein Leben gemeistert, ganz im Jungschen Sinne.

Eintritt: Fr. 20, Studenten Fr. 15.
Für Mitglieder und stat. Gäste frei

     
 
Ziehende Landschaft

Man muss weggehen können
und doch sein wie ein Baum
als bliebe die Wurzel im Boden
als zöge die Landschaft und wir ständen fest. Man muss den Atem anhalten,
bis der Wind nachlässt
und die fremde Luft um uns zu kreisen beginnt, bis das Spiel von Licht und Schatten,
von Grün und Blau,
die alten Muster zeigt
und wir zuhause sind,
wo es auch sei,
...
(Hilde Domin 1955) 
  

Das Thema Heimat berührt die Menschen tief und emotional im Kern. Die öffentliche Diskussion zeugt von der Not der Heimatlosigkeit in der Gegenwart und der Sehnsucht nach Bindung, eine Folge der Globalisierung, von Kriegen und Entwurzelung weltweit.

In Krisenzeiten wurde und wird das Heimatthema immer wieder kompensatorisch belebt. Darin kann man einen Heilungsversuch aus dem kollektiven Unbewussten sehen. Romantisches Heimweh nach einer Idylle in der Vergangenheit oder im Jenseits konnte nur eine vorläufige Antwort sein. Im Verlust von haltgebenden Traditionen in Gesellschaft und Religion fällt die Aufgabe heute dem Einzelnen zu, individuell die Suche nach Heimat aufzunehmen. Dies ist ein lebenslanger schöpferischer Prozess.

Zum Menschsein gehört das Wohnen und Wandeln auf unserem Heimatplaneten, das Pendeln zwischen Heimat und Fremde, Sesshaftigkeit und Nomadentum. Der persönliche Weg umfasst reale und seelische Orte. Ein Zentrum wird gesucht und entsteht aus einer inneren Bewegung immer wieder neu.

Im Vortrag werde ich auf Heimatbilder in der Geschichte eingehen. Am Beispiel von archetypischen Bildern in Gedichten möchte ich zeigen, wie Heimat symbolisch dargestellt wird.

Eintritt: Fr. 20, Studenten Fr. 15.
Für Mitglieder und stat. Gäste frei

     


Maria Prophetissa; im Hintergrund: die Vereinigung (coniunctio) des Oberen und des Unteren (C.G. Jung, GW 12, Abb. 78) 

  

In seiner Abhandlung „Zur Phänomenologie des Geistes im Märchen“ bezeichnet C.G. Jung den Geist als „das essentiell Belebte und Belebende“. Der Geist sei, modern ausgedrückt, „das Dynamische“ in der Psyche. Und weiter: „Das Urphänomen des Geistes nimmt den Menschen in Besitz“. (GW 9/I; §389 -§393)

Das schrieb er in den Jahren 1945/48. Jung hatte diese Ideen zwar schon seit 1912 entwickelt, sie aber erst 1920 in den „Psychologischen Typen“ ein erstes Mal ausgearbeitet. Er führt dort den Begriff der „Transzendenten Funktion“ ein, die er als einen angeborenen und autonomen Bewusstwerdungsprozess darstellt, welcher „den Übergang von einer Einstellung in eine andere schafft“. 1928 hat er das dann im ausführlichen Aufsatz „Die transzendente Funktion“ nochmals vertieft. Sie wird hier zu einer grundsätzlich regulierenden und die Gegensätze vereinigenden Dynamik in der Psyche und sogar zu einem Synonym für den Individuationsprozess (GW 7; §186).

Vor allem seine eigenen Erfahrungen, die heute im Roten Buch nachvollzogen werden können, hatten ihm gezeigt, dass die Psyche ihre eigenen Regeln und Wege kennt, um Bewusstsein herzustellen und zu entwickeln, und wie wichtig es ist, dass das Ich diese Prozesse unterstützt. Er gewann damals auch das Vertrauen, dass man sich diesen Prozessen überlassen darf und dass diese Auseinandersetzung mit dem Unbewussten tatsächlich einen finalen und erlösenden Aspekt hat.

Im Vortrag wird es aber auch darum gehen, darzulegen, dass dies ein ganz und gar alltäglicher und „normaler“ Vorgang ist, auch wenn er bis ins Kosmi- sche reicht.

Eintritt: Fr. 20, Studenten Fr. 15.
Für Mitglieder und stat. Gäste frei

     
    

Shinto is Japan’s indigenous religion, which emerged out of awe and worship of nature since prehistoric times. It can be described as an animistic religion in the scholarly field, or simply how the Japanese live everyday life. Shinto originated in the unique environmental conditions of the Japanese archipelago. It has been formed and refined through history, and influenced by outside thought and foreign cultures. It does not have a founder, primary text or dogma. According to the Japanese scholar of religion and Shinto priest, Toji Kamada, "Shinto is a daily life and belief system of prayers and festivals based on a sense of awe and reverence towards that sacred existence which has been called in Japanese 'kami'. Shinto is the traditional way by which the Japanese people have respected and responded to the greatness, the grandeur of the universe and the whole of creation." He adds, "It is in fact the way the Japanese experience the universe and the way they pray to the myriad forms of existence.”

People on the Japanese archipelago have been sensing the mysterious generating force of nature permeating the world; not only living things, but also inanimate things like mountains, rivers and rocks - everything is thus spirited in itself. In this regards, the Shinto world view is very much like that of the Anima Mundi in ancient Greece. The world was, and could still be, animated. Jung wrote in Archaic Man “... every civilized human being, however high his conscious development, is still an archaic man at the deeper levels of his psyche”. Japan is now a (so-called) developed country, and yet the Shinto world view has not been lost. Shinto is deeply rooted in the Japanese psyche without conflicting with modern science and technology. In a world that has been largely disenchanted by the western Enlightenment and our anthropocentric Zeitgeist, Shinto hints at the possibility of re-enchantment.

Eintritt: Fr. 20, Studenten Fr. 15.
Für Mitglieder und stat. Gäste frei

     


König Arthur jagt den weissen Hirsch © BnF 

  

Im 12. Jahrhundert wurden die damals üblichen Heldenepen (z.B. das Rolandslied) und Heiligenlegenden (z.B. das Alexiuslied) durch den Abenteuerroman abgelöst. Chrétien de Troyes hat den ersten Roman geschrieben(1), der wesentlich innere Abenteuer beschreibt. Der Ausdruck „aventure“ hat ursprünglich die Bedeutung von Quest bzw. Suchwanderung.

Die Ausgangssituation im Roman von Chrétien de Troyes Erec et Enide besteht in der Forderung König Arthurs, eine alte Sitte wieder zu beleben, nämlich die Jagd auf den weissen Hirsch. Bei diesem Brauch darf der erfolgreiche Jäger die schönste Frau küssen. Der Neffe von König Arthur hat Einwände dagegen, weil dies die Ritter untereinander zerstreiten würde. Die Jagd findet trotzdem statt.

Erec, ein Ritter der Tafelrunde und noch keine 25 Jahre alt, nimmt nicht an der Jagd auf den weissen Hirsch teil, sondern begleitet die Frau Arthurs, Königin Guenièvre in den Wald. Dort werden sie von einem Zwerg beleidigt.

Erec folgt diesem, um die Königin zu rächen. Dies löst eine Entwicklung aus, in deren Folge Erec die schönste Frau gewinnt. Bis die Beziehung der beiden gelingt, müssen sie viele Prüfungen bestehen.

Der Vortrag ist ein Versuch, einige Aspekte des Romans psychologisch zu deuten. Diese können als Symbole für Konflikte und deren Lösungen im damaligen Kollektiv des Mittelalters gesehen werden. Als archetypische Konstellationen leben sie heute noch in der Seele, wie wir ihnen in der Analyse und in der therapeutischen Arbeit begegnen.

(1) Erec et Enide ist der erste Roman von Chrétien de Troyes, sein letzter ist Perceval, den Emma Jung und Marie-Louise von Franz unter anderem in Die Graalslegende interpretiert haben.

Eintritt: Fr. 20, Studenten Fr. 15.
Für Mitglieder und stat. Gäste frei

     
    

Angesichts der konstellierten Verschärfung der religiösen Neurosen in Gestalt fanatischen Terrors scheint es wichtig, sich den Beitrag der Analytischen Psychologie zum gesellschaftlichen Frieden bewusst zu machen. Ziel jeder Psychotherapie aus dem Geist C.G. Jungs ist unter anderem Selbsterkenntnis. Diese Selbsterkenntnis basiert auf der Erfahrung, dass die höchsten bewussten Werte - und damit die bewusste Religion einer Persönlichkeit das eine ist. Was aber die Persönlichkeit unbewusst lebt und worum sie kreist, ist ihre unbewusste Religion. Die Erfahrung, dass die eigenen höchsten Werte höchst persönlich und keineswegs verbindlich für andere sein müssen, führt dann zu Demut und Bescheidenheit den Werten anderer gegenüber. Konkret ist nun zu fordern, dass die sogenannte christliche Welt ihre Arroganz dem Islam gegenüber aufgibt, die eigene Schuld an der Entstehung islamischen Terrors sich bewusst macht und damit eine Basis schafft, in der von der islamischen Seite das Gleiche geschehen kann. 

Eintritt: Fr. 20, Studenten Fr. 15.
Für Mitglieder und stat. Gäste frei

     
      

Auch das Chlausfest soll unter dem Motto „Aus der eigenen Werkstatt“ stehen. Wir erhoffen uns deshalb Beiträge von unseren Mitgliedern, wenn immer möglich mindestens einen Beitrag aus jeder Nation (Japan, Amerika, Kanada, Schottland, Schweiz, Deutschland etc.). Das kann ein musikalischer, ein literarischer oder irgend ein Beitrag sein. Dabei ist uns ein persönlicher, menschlicher Bezug zum Beitrag wichtiger als der künstlerische beziehungsweise ästhetische Anspruch.

Bitte meldet eure Beiträge an:
an-schweizer@bluewin.ch oder
Telefon 044 392 05 27. 

     
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