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Veranstaltungen

Themenschwerpunkt Frühjahr Sommer 2018

Die Bilderwelt der Alchemie

The world hangs on a thin thread and that is the psyche of man.
Die Welt hängt an einem dünnen Faden und das ist die menschliche Psyche.
The psyche is the greatest of all cosmic wonders.
Die Psyche ist das grösste aller kosmischen Wunder.
 
C.G. Jung im Film The Richard Evans Interviews, 1957.


Der philosophische Baum, Splendor Solis f. 15r.
mit goldenen Wurzeln und Zweigen. Der Rabe mit weissem Kopf (Albedo) pflückt weiss schimmernde Perlen. In der Mitte Aeneas, zusammen mit seinem Vater und dem Sohn, der auf der sechsten und siebten Stufe der Leiter steht. Ihre Kleider haben die drei Farben der Alchemie: schwarz, weiss und rot. Der König im Rahmen rechts und die Badeszene unten sind eine Anspielung auf König David, der Bathseba im Bad beobachtet (2. Sam. 11). 

  

Wir leben in einer bedrohten Welt. Dabei wird immer deutlicher, dass diese Bedrohung vom Menschen selbst und seiner Psyche ausgeht. Die lateinischen Alchemisten des Mittelalters haben teils nur geahnt, teils aber auch klar erkannt, dass ihre Suche nach dem Geheimnis im Stoff oder in der dunklen „Materia“ letztlich dem Menschen und seiner Seele galt. Das Gold, das sie suchten, war jenes Licht im Menschen, das – so Dorneus – in der Finsternis leuchtet und zugleich ein „stärkstes Gift“ ist.  

Anfang 2016, im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums des Psychologischen Clubs, haben der Vorstand und die Bibliothekskommission beschlossen, die neue Faksimileausgabe des alchemistischen Werkes Splendor solis (Marley MS. 3469) anzuschaffen. Das Geschenk kam dank verschiedener grosszügiger Spenden zustande. Das dem Faksimile zugrundeliegende Manuskript aus dem Jahr 1582 ist im Besitz der British Library in London und ist eine der schönsten und kostbarsten Bilderhandschriften der Alchemie. Bekannt sind zum Beispiel die Darstellungen der sieben Planetengötter in ihren Gefässen, welche den alchemistischen Wandlungsprozess darstellen. Einzigartig ist auch das Bild des Philosophischen Baumes mit seinem goldenen Wurzelwerk und den goldüberzogenen Zweigen (vgl. Abbildung).  

Die Beiträge des kommenden Semesters sind hauptsächlich der Alchemie gewidmet. Verschiedene Aspekte kommen dabei zur Sprache. Zu Beginn der Vortragsreihe spricht der Alchemiehistoriker Thomas Hofmeier über den Splendor solis. Die Vorträge von Gunhild Pörksen und von Ursula Nussbaumer sind dem Schweizer Arzt und Alchemisten Paracelsus gewidmet. Alan Drymala wird über die tschechische Version des Rosariums berichten, Xaver Wassmann über die Bilderserie des Alchemisten Lacinius. Das alchemistische Fischlein „Echeneis“ ist das Thema im Vortrag von Judy Schlatter Müller und Regine Schweizer-Vüllers beschreibt den alchemistischen Prozess anhand der vier Farben des Pelikans.  

Besonders erwähnen möchte ich schliesslich den an zwei Abenden stattfindenden Vortrag über die Erlösung des Weiblichen von Gotthilf Isler, mit dem wir des zwanzigsten Todestages von Marie-Louise von Franz gedenken. Marie-Louise von Franz starb am 17. Februar 1998. Sie hat uns ein grosses Werk hinterlassen, zu dem besonders auch ihre Interpretationen al-chemistischer Schriften gehören.

Im November 2017 Andreas Schweizer
     

Die Vorlesungen sind öffentlich. Jedermann ist willkommen.
Ort: Vortragssaal, Gemeindestrasse 27, 8032 Zürich

Programmübersicht
 

 
Schwarze Sonne, Splendor Solis, f. 30v.

 
Rote Sonne, Splendor Solis, f. 33v.

  

Nach 1520 und vor 1530 entstand das deutschsprachige alchemische Florilegium Splendor Solis (Glanz der Sonne), von welchem mehrere ausserordentliche Prachthandschriften erhalten sind; daneben gibt es seit dem 16. Jahrhundert eine gedruckte Überlieferung. Die im Splendor Solis vermittelte Alchemie ist eindeutig auf die Transmutation gerichtet und bedient sich sprachlich wie bildlich mannigfacher Allegorien, die überwiegend auf Zosimos von Panopolis (3. Jahrhundert) zurückgehen – die Bilder zeigen die Visionen des Zosimos. Auch die rund 80 Zitate von 30 Autoritäten (Namen und Titel) im Text weisen auf das Bestreben hin, möglichst die alten Weisen zu zitieren; das Werk gibt sich trotz später Abfassung als Produkt der altägyptischen Alchemie aus – auch der vierzehnmal namentlich zitierte Araber Senior kann mit seiner hieroglyphischen Tafel als pharaonisches Zeugnis gelten.

Der Splendor Solis schöpft die Motive seiner 22 Prunktafeln aus den nahen Verwandten; allen voran aus der Aurora Consurgens sowie dem berühmten Rosarium Philosophorum.

Der Vortrag beleuchtet die ägyptischen Elemente im Splendor Solis und weist Überlieferungsketten von Allegorien nach.

Eintritt: Fr. 20, Studenten Fr. 15.
Für Mitglieder und statutarische Gäste frei.

     

 
Alphidus, das Schatzhaus der Weisheit betretend. Aurora consurgens, Zentralbibliothek Zürich, Codex Rhenoviensis.

   Marie-Louise von Franz hat den alchemistischen Traktat „Aurora Consurgens“ (aufsteigende Morgenröte) zunächst übersetzt, dann aber – auf Anregung von C.G. Jung – einen ausführlichen psychologischen Kommentar dazu geschrieben. Beide, Text und Kommentar sind als dritter Band von „Mysterium Coniunctionis“ erschienen. Die „Aurora Consurgens“ ist ein dem Thomas von Aquin (1225-1274) zugeschriebenes Werk. Der visionäre Text soll die letzten Worte dieses grossen mittelalterlichen Gelehrten enthalten. Marie-Louise von Franz geht davon aus, dass es die Antwort ist auf eine erschütternde seelische Erfahrung, die er kurz vor seinem Tode gemacht hat.

Zeit: jeweils 16.00 - 18.00 Uhr
Kosten: Fr. 30 pro Sitzung

Die Teilnehmerzahl ist beschränkt. Im Moment können keine neuen Teilnehmer aufgenommen werden.

Auskunft: Regine Schweizer-Vüllers per
e-mail reschweizer@bluewin.ch oder
telefonisch 044 392 05 51.
     
    

Paracelsus – ein Anthropologe? Wenn man seinen Namen hört oder liest, assoziiert man definitiv nicht, dass dieser Arzt eine philosophische Anthropologie hinterlassen hat, die ihresgleichen sucht, da sie den Menschen als physisches und als metaphysisches Wesen erfasst.

Theophrastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, war und ist einer der fruchtbarsten Schriftsteller der frühen Neuzeit. Als Autor ist er zwar kaum bekannt, umso berühmter aber ist sein Name, der als Aushängeschild für alternatives Denken gilt. In seinen Tausende von Druckseiten umfassenden „Medizinischen, naturwissenschaftlichen und philosophischen Schriften“ wird immer wieder dieses sein Lebensthema sichtbar: er will – so seine Worte – „lesen wer der Mensch ist“, er will „des Menschen menschliches Wesen“ erforschen und begreifen.

Der Blick auf den Menschen ist die Grundlage für fast alles, was er medizinisch oder alchemisch-pharmazeutisch ausgeführt hat. Soweit ich sehe, hatte er sich von Beginn seiner schriftstellerischen Produktion an mit der Frage beschäftigt, wer oder was der Mensch eigentlich ist. Überlegungen zur Anthropologie ziehen sich explizit und implizit durch alle medizinischen und naturkundlichen Werke. Immer schon finden sich darin auch Hinweise auf die aus der göttlichen Welt stammenden Seele und auf deren Weiterexistenz.

1537/38 hat Paracelsus eine Abhandlung niedergeschrieben, welche in der deutschsprachigen Literatur des 16. Jahrhunderts einzigartig ist – die Astronomia Magna oder die ganze Philosophia sagax der grossen und der kleinen Welt. Als breit angelegte Studie über die Geistseite der Natur und über die „Menschwerdung“ sprengt sie alle Fächergrenzen. Auf der Basis dieses Textes und einiger anderer Schriften aus seiner Feder möchte ich die Umrisse seiner philosophischen Anthropologie darstellen.

Gunhild Pörksen ist eine ausgewiesene Expertin in der Paracelsus Forschung. Seit Mitte der 80-er Jahre publiziert sie Übersetzungen und Kommentare zu einzelnen Werken des Paracelsus – zuletzt „Philosophie der Grossen und Kleinen Welt – Aus der Astronomia Magna“ (Schwabe 2008). Sie ist im Vorstand der Schweizerischen Paracelsus Gesellschaft. Wir verweisen auf ihren Eranos Beitrag „Paracelsus: Die Alchemie der Welt und die Früchte des Feuers“ in: Eranos 2011 und 2012, Feuer und Wasser, Schwabe Verlag, erhältlich im Psychologischen Club.
Andreas Schweizer

Der Vortrag dauert ca. zwei Stunden.

Eintritt: Fr. 25, Studenten Fr. 20.
Für Mitglieder und statutarische Gäste frei.

     

Melusine, die mit der Lanze des Longinus
die Seite des filius (als allegoria Christi) eröffnet.

   Zum Gedenken an den zwanzigsten Todestag von Marie-Louise von Franz am 17. Februar 1998

Es gibt unzählige Volkssagen, in denen eine seit Jahrhunderten leidende Frau von einem Menschen erlöst werden sollte. Es handelt sich um eine im Vergleich mit Maria dunklere Seite der weiblichen Gottheit, eigentlich um die sapientia Dei. Sie ist meistens eine Schlossjungfrau oder sie wird in der Natur, bei einem Fluss oder einer Quelle angetroffen oder erscheint bei Spiel und Tanz der Jungen. Aber sie ist verflucht, und ihre Erlösung ist eine Heldentat, die fast nie gelingt. In einer ganz besonderen Sage aus dem Schwarzwald wird der Held, ein einfacher Metzgerbursche, bei seinem misslungenen Erlösungsversuch Christus angenähert. Ich vergleiche in der Vorlesung diese Sage mit C. G. Jungs Auseinandersetzung und Erlösung der Salome, «dem blutrünstigen Weib» im «Roten Buch». Jung erleidet hier auch das Christusschicksal, aber die Erlösung gelingt: die zuvor blinde Salome wird sehend. Jung sagt in den «Erinnerungen» ein halbes Leben später: «Damals stellte ich mich in den Dienst der Seele. Ich habe sie geliebt und habe sie gehasst, aber sie war mein grösster Reichtum.»

Die Vorträge dauern jeweils 2 Stunden.

Eintritt pro Vortrag: Fr. 25, Studenten Fr. 20.
Für Mitglieder und statutarische Gäste frei.
     


Das Fischlein Echeneis. Abb. aus dem mittelalterlichen Manuskript Der Naturen Bloeme [De natura rerum] von Jacob van Maerlant. (Koninklijke Bibliotheek, Den Haag, Niederlande. Huis van het Boek & National Library of the Netherlands, The Hague).

   In Aion schrieb Jung über das winzige Fischlein Echeneis, das ein Schiff stoppen konnte (Aion, GW 9,2 § 219). Sogar die berühmten Römer Markus Antonius und Calligula wurden in ihren Schiffen von einem Fisch angehalten. Wie aber könnte ein kleiner Fisch ein römisches Kriegsschiff zum Stillstand bringen? Der Forschungsweg gleicht einer Detektivgeschichte.

Wir beginnen unsere Detektivarbeit mit den Naturwissenschaften, zuerst mit der Biologie. Was genau ist das für ein Fisch, den Jung beschrieben und der die Alchemisten so beschäftigt hat? Dann kommen wir zu der Physik und der Ozeanografie: Kann ein kleiner Fisch ein Schiff anhalten und wenn ja, wie?

Im Folgenden werfen wir einen Blick auf die Geografie, die Geschichte und die Philosophie. Wo fanden die von Plinius beschriebenen Ereignisse statt und wie sahen die Schiffe aus, die Markus Antonius und Calligula benutzt hatten? Wie wurde der schiffstoppende Fisch in klassischer Zeit, im Mittelalter, der Renaissance und während der Aufklärung betrachtet?

Wir blicken in die alten Künste der Astrologie, der Magie, der Medizin. Diese führen uns zur Alchemie und zur analytischen Psychologie, worüber Jung geschrieben hat. Was hat der mächtige kleine Fisch symbolisch zu bedeuten? Wie sieht es im Leben aus, wenn unser Schiff gestoppt wird? Zu was kann das führen?

Eintritt: Fr. 20, Studenten Fr. 15.
Für Mitglieder und statutarische Gäste frei.
     

 
“O Luna, let me be thy husband, O Sol, I must submit to thee.” Jaros Griemiller, Rosarium Philosophorum, 1578.

   During the early reign of Rudolf II of Prague in the 16th century, a little known Czech alchemist Jaros Griemiller produced his own edition of the classic alchemical text, the Rosarium Philosophorum, the Rosary of the Philosophers. With extraordinary devotion, he carefully translated the Latin alchemical manuscript into his native Czech language and added beautifully painted versions of the original images. In addition, he enlarged and amplified the Rosarium material with images from two other important alchemical manuscripts - the Aurora Consurgens and the Pretiosissium Donum Dei - to produce a new version of his own.

Guided by Jung’s own work on the Rosarium Philosophorum, we will have an introduction to this important manuscript, along with some first steps in how to approach this material in a psychological way, as an important document of the individuation process. In addition, because of how he reworked the traditional material and amplified it with other manuscripts, we will see how the author is surprisingly modern, and models how we ourselves can approach traditional alchemical material today to make it our own.

Entrance/Eintritt: Fr. 20, students / Studenten Fr. 10.
Für Mitglieder und statutariche Gäste frei.
     

 
Zeichnung von Belzoni vom Eingang des Grabes Sethos I. Links im Bild der König vor dem Sonnengott; an der ins Grab hinabführenden Decke die den Toten schützenden Geier, Symbol der Himmelsgöttin Nechbet.

   Das seit vielen Jahren für Besucher nicht mehr zugängliche Grab von Sethos I. im Tal der Könige am Westufer des Nils bei Luxor ist wohl das schönste und auch grösste aller Königsgräber. Seit vielen Jahren besteht der Plan, dieses als Faksimile nachzubauen. Wie die Nachbildung der jung-paläolitischen Höhle von Lascaux zeigt, sind solche Replika von faszinierender Echtheit und dienen dem dringend notwendigen Schutz der Originale. Die Ausstellung in Basel ist diesem Plan, das Grab nachzubauen, gewidmet und zeigt einige Ausschnitte der Nachbildung. Sie lassen etwas von der Schönheit des Königsgrabes erahnen.

Das Grab führt hundert Meter hinunter in die Tiefe zur Grabkammer, wo der Pharao in seinem Alabastersarkophag schützend umgeben von Szenen aus dem Pfortenbuch und dem Totenbuch ruhte. Die Wände des gesamten Grabes sind mit Darstellungen und Texten des Amduat, der Sonnenlitanei, des Pfortenbuches und vielen andern Bildern dekoriert. Das Prunkstück aber ist das Buch der Himmelskuh, das sich in einer kleinen Seitenkammer nahe der Grabkammer befindet. Es erzählt den Mythos von der „Vernichtung des Menschengeschlechts“, in welchem man eine ägyptische Variante des Sintflutmythos sehen kann. 
     
    

Seliger ist es, die Nymphen zu beschreiben, als zu beschreiben die Orden, seliger ist, den Ursprung der Riesen zu beschreiben, als zu beschreiben höfisches Ritual, seliger ist, Melusina zu beschreiben, als zu beschreiben Reiterei oder Artillerie, seliger zu beschreiben die Bergleutlein unter der Erde, als zu beschreiben Fechtkunst und Frauendienst.

Paracelsus, Liber de Nymphis, übertragen von Gunhild Pörksen, S. 9 und 10.

Im Liber de Nymphis beschreibt Paracelsus die Elementargeister, welche im Feuer, in der Erde, im Wasser und in der Luft leben. Zu Beginn stellt er jedoch gleich den Menschen selber in den Mittelpunkt, und er hebt hervor, dass das Licht des Menschen mehr ist, als das Licht der Natur. Er beschreibt jenes als «das Licht, durch das der Mensch übernatürliche Dinge erfährt, lernt und ergründet». Damit betont er die grosse Bedeutung des Bewusstseins und dessen Möglichkeiten, die Natur zu ergründen. Er ruft dazu auf, die Wesen in den Elementen, aber auch Riesen und Zwerge ernst zu nehmen, und er verbindet solche Beschäftigung mit dem Willen Gottes.

Paracelsus, mit richtigem Namen Theophrastus von Hohenheim, wirkte als Arzt und Alchemist im Spätmittelalter. Er war zeitlebens auf Wanderschaft und hielt sich kaum jemals länger als sechs Monate am selben Ort auf. Er verfasste unzählige medizinische, philosophische, astrologische und theologische Schriften, welche grösstenteils posthum gedruckt worden sind. Das Liber de Nymphis schrieb er vier Jahre vor seinem Tod. Es ist eine kurze Schrift des Paracelsus, doch sie übt eine grosse Faszination aus bis in die heutige Zeit.

Im Vortrag werde ich versuchen, Verbindungen aufzuzeigen zur Psychologie C.G. Jungs. Im Vorwort zu seinem Aufsatz über Paracelsus als geistige Erscheinung in Studien über alchemistische Vorstellungen, GW 13, S. 125, schreibt Jung, dass in der vom alchemistischen Denken geprägten Philosophie des Paracelsus zukunftsträchtige Ansätze liegen. – Wir gehen auf Spurensuche nach diesen Ansätzen durch die psychologische Deutung der Symbole und mythologischer Motive.

Und nun sollt ihr euch nicht wundern über das, was unseren Augen unglaublich scheint, denn alle Dinge sind möglich bei Gott, der alles für uns geschaffen hat – nicht nach unseren Gedanken und Begriffen, sondern weit über unsere Gedanken und Begriffe hinaus!

Paracelsus, Liber de Nymphis, übertragen von Gunhild Pörksen, S. 29.


Eintritt: Fr. 20, Studenten Fr. 15 .
Für Mitglieder und statutarische Gäste frei.

 

     

 
König Sol mit den sechs Planetensöhnen, Lacinius, Pretiosa margarita novella (1546) C. G. Jung, GW 12, Abb. 79.

   Jeder König läuft mit der Zeit Gefahr, den Anforderungen seines Volkes oder den Konstellationen seiner Zeit nicht mehr gerecht zu werden. Er verliert an Kraft, wird krank, impotent oder hat sonst eine Schwäche, die das Gemeinwohl gefährdet. So muss er ersetzt oder erneuert werden. Die meisten Zaubermärchen handeln von diesem Prozess, und manche Alchemisten haben seine kosmische Bedeutung hervorgehoben, indem sie ihn mit Rex Sol und mit der Transmutation der Metalle in Gold verbanden. Zugrunde liegt ihm das Mysterium der Wandlung des Bewusstseins. C.G. Jung hat in seinen alchemistischen Werken ausführlich darüber geschrieben und viele Quellen verarbeitet und interpretiert, z. B. die Visio Arislei, die Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz, die Allegoria Merlini, die Cantilena des Georgius Riplaeus, das Bildgedicht Sol und Luna u. a. Jeder dieser Texte oder Bildfolgen stellt das Motiv der Königserneuerung auf eine wieder andere Art dar. C.G. Jung hat die Variante in der Pretiosa margarita novella des Ianus Lacinius von 1546 gut gekannt, ist aber in seinem Werk nur auf das Anfangs- und das Schlussbild eingegangen. Wir werden sehen, was uns die ganze Serie sagt.

Eintritt: Fr. 20, Studenten Fr. 15.
Für Mitglieder und statutarische Gäste frei.
     

Sol und Luna stiegen aus dem Brunnen, daneben der Pelikan. Aus: Stoltzius von Stolzenberg, Chymisches Lustgärtlein, Frankfurt 1624.

   Sol und Luna steigen aus dem Brunnen. Daneben sieht man den Pelikan mit seinen Jungen. Der Titel des Bildes heisst: „Wiederlebendigmachung“. Gemäss dem das Bild begleitenden Text gehört beides zusammen – das Wiedererscheinen der im Inneren des Brunnens versunkenen Gestalten von Sonne und Mond und die Belebung der zuvor toten Jungen durch den Pelikan.

Die Alchemisten bezeichneten ihr alchemistisches Gefäss gerne als Pelikan. Ebenso repräsentierte der Pelikan das ganze alchemistische Werk. Ja, man kann sagen, der Vogel bedeutete für sie den in den Prozess einbezogenen Alchemisten selbst, den Geist, in welchem das Werk ausgeführt werden soll. Dabei ging es ihnen nicht um die Herstellung von gewöhnlichem Gold aus zunächst unreinen oder unansehnlichen Anfangsstoffen. Ein seelisches Gold, ein wunderbarer Stein, ein alles durchdringendes Heilmittel sollte geschaffen werden, welches die zuvor getrennten oder verfeindeten seelischen Substanzen verbindet.

Auch im letzten Kapitel des sogenannten „Tractatus aureus Hermetis“ („goldener Traktat des Hermes“), ein dem frühen 17. Jahrhundert zugehörender alchemistischer Text, erscheint der Pelikan. Vier Farben gehören zu ihm, wobei die vierte Farbe, das „wahre Gelb“, die Goldfarbe oder das Gold mit dem Ziel des ganzen Prozesses gleich gesetzt wird. Als Lapis, als Stein, als alles verwandelndes Ferment oder Medizin versöhnt es nicht nur die Gegensätze im einzelnen Menschen sondern – wunderbarerweise – auch die Gegensätze der äusseren Welt.

Im Vortrag geht es zunächst um das Erscheinen der ersten drei Farben in diesem alchemistischen Prozess, dann aber vor allem um das Vierte, die Goldfarbe oder das Gold. Vom Text ausgehend und mit Hilfe des durch C.G. Jung und Marie-Louise von Franz erarbeiteten psychologischen Verstehens der Alchemie möchte ich versuchen die heilende und verbindende Wirkung dieses Vierten deutlich zu machen.

Der Vortrag dauert ca. 2 Stunden.

Eintritt: Fr. 25, Studenten Fr. 20.
Für Mitglieder und statutarische Gäste frei.
     
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